maedchen-in-blaumann_20700551_400x600Das ist Steffi

 

Dieses Bild verwenden wir in Vorträgen und Diskussionen zum Thema Resilienz, wenn wir eine „ideale“ Mitarbeiterin oder Mitarbeiter beschreiben möchten. Hier soll es aber nicht um Resilienz gehen, sondern um einen Kommentar eines Personalleiters, der nach einem Vortrag trocken meinte, dass viele Führungskräfte vor „Steffis“ Angst hätten.

Ich muss zugeben, mich hat dieser Kommentar nachdenklich gemacht.

In unserem Vortrag ist Steffi so charakterisiert:

  • Denkt mit
  • Weiß, was sie bewegen kann
  • Kommuniziert rechtzeitig und klar
  • Geht mit Stress vernünftig um
  • Verdaut locker einen kleineren Frust
  • Identifiziert sich mit Arbeit und Unternehmen
  • Weiß, was ihre Gesundheit wert ist

 

Ich kenne die Situation, dass Menschen mit eher schwach ausgeprägten Führungsqualitäten Angst haben, gute Leute ins Team zu holen – die könnten ja der eigenen Führungsposition gefährlich werden (… und schwupp bin ich weg vom Fenster).

Aber Steffi?!

Steffi rührt vermutlich an ähnlichen Ängsten, wie eine schwache Führungskraft bei einem  „zu guten“ Mitarbeiter:

  • Jemand, der mitdenkt, äußert womöglich auch seine Meinung.
  • Jemand, der weiß, was er bewegen kann, möchte das auch.
  • Jemand, der aktiv auf seine Gesundheit achtet, sagt auch, wann es genug ist.
  • Jemand, der klar kommuniziert, fordert auch von anderen klare Kommunikation.

Klar, diese Ängste sind da. Aber – wie damit umgehen? Ich glaube, die Angst entsteht vor allem bei denjenigen, die sich in ihrer Führungsaufgabe nicht wohl fühlen, sich vielleicht gar am Rand zur Überforderung sehen. Denn Führungspersonen, die sich in ihrer Rolle wohl fühlen und ihre Aufgabe in der Moderation, Koordination und Hilfestellung der Mitarbeiter sehen, können gar nicht genug Steffis in ihren Teams haben. Sie fragen sich schon lange, wieso es nicht nur Steffis gibt.

Bleibt also die Frage, wie Führungskräfte mehr Sicherheit und Selbstvertrauen in ihrer Rolle erreichen können. Wenn wir ehrlich sind, kennen wir die Antwort. Führungskräfte werden häufig nicht für ihre Aufgabe qualifiziert.

Als Meister, Ingenieur, Kaufmann haben wir jahrelang Fachwissen gepaukt, bevor wir in die betriebliche Wildbahn entlassen wurden. Wir sind fit, wenn wir Maschinenteile konstruieren, Software entwickeln oder die Bilanz erstellen sollen. Aber auf Mitarbeiterführung vorbereitet? Meistens Fehlanzeige. Vielleicht mal ein zweitägiges Führungskräfteseminar kurz nach der Beförderung zum Teamleiter. Vielleicht.

Dabei ist Führung ebenso lernbar wie Software zu entwickeln. Es gibt Instrumente, die man lernen kann und die man anschließend anwendet und einübt, bis sie zur Selbstverständlichkeit werden und man in ihrem Gebrauch immer besser und sicherer wird. Und woran kann man das erkennen? Mitarbeiterführung wird plötzlich leicht, wir wissen genau, welche Führungsaufgaben wir erledigen müssen und was von unserer Führungsrolle erwartet wird.

Es geht also darum, Führung zu lernen und zu üben. Es geht also darum, dass Unternehmen die Führungsrolle ernster nehmen und Meister, Teamleiter und Abteilungsleiter nicht nur als Verwalter und Organisatoren sehen. Es geht darum, dass Unternehmen ihre Führungskräfte fördern.

Damit sich alle Führungskräfte um die Steffies dieser Welt reißen.