Persönlicher Optimismus gilt als ein Schlüsselfaktor für Resilienz. Oder ist Resilienz der Schlüsselfaktor für Optimismus und Zuversicht?

Sind Menschen mit einer optimistischen Einstellung erfolgreicher im Umgang mit kritischen Lebensereignissen? Der Persönlichkeitsansatz in der Resilienzentwicklung versucht über Einstellungsveränderung (mehr Optimismus) die Resilienz zu fördern.

Oder gewinnen Menschen eine optimistische Einstellung dadurch, dass sie in aller Regel recht erfolgreich mit ihren Umgebungsbedingungen zurechtkommen? Der Ansatzpunkt zur Resilienzförderung ist demzufolge der Erwerb und das Training funktionaler Denk- und Verhaltensmuster im Umgang mit den umgebenden Bedingungen – oder kurz: ‚Know-How’ und ‚Plan B’ (Fertigkeitenansatz der Resilienzförderung).

Resilienz und Optimismus gehören zusammen wie Henne und Ei. Und das ist das Kernproblem der Resilienzforschung: Bei Korrelationsstudien oder ex-post-facto Untersuchungen darf sich jeder mit gleicher Berechtigung Henne oder Ei wünschen.

 

The trend is your friend?

Im Rund sehen wir in überwiegender Mehrzahl einstellungsverändernde Ansätze der Resilienzentwicklung. Und zwar aus einem einfachen Grund: Einstellungen lassen sich unter bestimmten Bedingungen ruck zuck ändern. Sofern Einstellungsänderungen in eine persönlich erwünschte Richtung gehen, lässt sich eine persönliche Haltung viel leichter ändern als funktionale Denk- und Verhaltensmuster. Optimismus gilt als positive Eigenschaft und daran glauben wir gern.

Die Nachhaltigkeit der Einstellungsänderung hängt allerdings stark davon ab, wie sich die neue Einstellung im Alltag bewährt. Hierzu sollte die veränderte Einstellung nicht allzu weit von der Wirklichkeit entfernt sein: Aller Optimismus hilft nichts, wenn das Handwerkszeug fehlt.

Plakativ: Die Einstellung, große gelb-braun gestreifte, katzenartige Wesen sind harmlos, dürfte selten lange halten. Und hat sich nun die optimistische Einstellung als trügerisch erwiesen, zementiert diese ‚Enttäuschung’ die ursprünglich pessimistische Einstellung umso mehr: Once bitten – twice shy.

Kurzfristig machen schöne Glaubenssätze vielleicht Spaß. Langfristig enden solche Ansätze in der Höhle des Löwen. Das ist das generelle Problem persönlichkeitszentrierter Ansätze.

 

Auf der sicheren Seite

Wir sehen im gezielten Erwerb und der Verbesserung individueller Fertigkeiten im Umgang mit umgebenden Bedingungen den Königsweg der Resilienzentwicklung. Das richtige Handwerkszeug zu haben, mit bestehenden Bedingungen zurechtzukommen, Gefahren frühzeitig abzuwenden und sich proaktiv auf bevorstehende Veränderungen einstellen zu können, zahlt sich in realen Erfolgen aus. Eine positive Grundeinstellung entwickelt sich dabei nicht nur fast von selbst sondern hält auch an.

Jedenfalls steht ein solcher Ansatz in der guten Tradition meines Großvaters. Denn dessen Lieblingssatz lautete: „Mach es g’scheit!“