Business-Sprech

Business-Sprech

 

Ich schaue in das Zimmer meiner jüngeren Tochter. Gerade fünfzehn und schon in der Lage, ein solches Chaos auf dem Zimmerboden zu erzeugen. Kein Wunder denke ich, dass sie neulich bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen auf Anhaftungsspuren von Sprengstoff untersucht wurde (das ist echt wahr). Das Zimmer sieht aus als habe eine Bombe eingeschlagen.

„Gut“, sage ich ungehalten, „es war abgemacht, Du würdest aufräumen, bis wir nach hause kommen!“ Schaut mich das Gör ruhig an und sagt ernst: „Das ist noch in meinem Themenspeicher“. Ach, denke ich beruhigt, diesen Begriff kenne ich ja aus dem beruflichen Setting. Hipper Begriff. Business-Sprech.

Und die Hausaufgaben? Im Themenspeicher. Das Weihnachtsgeschenk für Oma? Im Themenspeicher. Die Vorsätze von letztem Silvester? Im Themenspeicher. Der ausgeliehene Textmarker, den ich nie wieder gesehen habe? Im Themenspeicher. Mann, denke ich, Themenspeicher. Muss der groß sein. Was tut man eigentlich, wenn so ein Themenspeicher mal voll läuft? Gibt es dann eine Themenspeichererweiterungskarte?

Geschlampt, verschludert, vergessen, unerledigt oder bestenfalls „ich bin dran“ war gestern. Heute heißt es professionell „im Themenspeicher“. Business-Sprech. Alter Wein in neuen Schläuchen.

Aber zum Glück gibt es für scheinbar neue Probleme ebensolche scheinbar neuen Lösungen: Themenspeicher lassen sich leeren durch das Auffüllen der Erledigungsliste mit Häkchen.

Gestern frage ich den Ofensetzer, ob er mir noch das Reinigungstuch zukommen lassen kann. Ja, sagt er, das nehme er in den Themenspeicher. Ich habe verstanden. Das kriege ich nie.