Richtiges Heben und Tragen geht nicht mit der Wirbelsäule, sondern mit Selbstaufmerksamkeit

Erkennen Sie sich auf dem Bild wieder? Ich mich schon. Ich weiß exakt, wie funktionelles Heben und Tragen geht. Und – ehrlich – wann hab ich es das letzte Mal in Konsequenz gemacht? Wann haben Sie es das letzte Mal in Konsequenz gemacht? Denken Sie ruhig nach. Wenn ich nachdenke, finde ich eine schmerzliche Erinnerung an meine letzten Kreuzschmerzen. Danach hab ich es konsequent gemacht. Aber nicht sehr lange.

Jeder, der das Bild sieht, erkennt sofort, dass die Person die Last falsch hebt. Übrigens würde es auch die abgebildete Person erkennen, wenn sie sich selbst sähe.

Bauarbeiter hebt Pflastersteine "aus dem Kreuz"

Musterbeispiel für falsches Heben

Das ist das Problem: In den Rückenschulen geht es um unseren Rücken. Nicht um uns. Wir sehen den Trainer, wir sehen die Übung, aber wir sehen uns nicht selbst. Und, wenn wir nach Beendigung des Kurses an die Arbeit gehen, sehen wir bloß wieder unsere  Aufgabe vor uns.

Unsere Berufserfahrung zeigt: Sogar, wenn der Rückenschultrainer nach einem Kurs direkt neben einer Pflegekraft steht, dauert es nur wenige Minuten, bis die Pflegekraft nur noch die zu pflegende Person wahrnimmt und in alte Hebe- und Tragemuster verfällt! Selbst ein einfacher Stein (wie bei dem Pflasterer in unserem Bild) ist präsenter als abstraktes Wissen über richtige Tragetechnik. Also muss mehr Selbstaufmerksamkeit her: Was mach ich eigentlich gerade?!

O.k. wie können jetzt Sie oder ich Kreuzschmerzen seltener machen?

Fragen Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin, darauf zu achten, wie Sie heben, tragen oder sitzen. Geben Sie den klaren Auftrag: „Schau auf mich und korrigiere mich!“ Rasch entsteht eine Aufmerksamkeit für das eigene Handeln und wir werden beginnen, uns selbst zu korrigieren, auch wenn grad keiner guckt.

Erstaunlicher Nebeneffekt: Ihr ‚Supervisor‘ wird ebenfalls beginnen, korrekt zu heben und zu tragen (häufig sogar schneller als wir selbst!). Wer will sich denn schon sagen lassen: „Du machst es doch selbst ganz falsch!“.

Mit kreativen Ideen, nicht mit trockenen Schulungen, werden wir zu Experten der eigenen Gesundheit. Auch für das Betriebliche Gesundheitsmanagement legen wir Wert auf kreative Ideen für nachhaltig positive Effekte.

LIEBERT Unternehmensberatung Best Practice Sharing::

In unseren Rückenschulkursen geht es folglich um den BESITZER des Rückens – nicht um dessen Kreuz! Die Teilnehmer lernen, sich selbst zu sehen, wie sie heben, wie sie tragen. Nicht nur im Kurs, auch im beruflichen Alltag.

Unsere Physiotherapeuten setzen in den Trainings unter anderem auf Videotechnik, um bei den Teilnehmern die Aufmerksamkeit auf das eigene Handeln zu steigern. So werden Teilnehmer zu eigenen Kritikern aber insbesondere zu eigenen Anleitern(!) für funktionelles Heben und Tragen  – und letztendlich zu Experten der eigenen Gesundheit.