Toleranz für Trümmer oder der Vorzug etwas selbst herzustellen?

Toleranz für Unvollständigkeit oder der Vorzug etwas selbst herzustellen?

Wenn ein Fahrzeughersteller für Toleranz für eines seiner Produkte werben würde, an was würden Sie da denken? An nichts Gutes. Bestenfalls an zu hohen Verbrauch. Bestenfalls.

Auch bei Menschen denken wir bei Toleranz im Grunde unseres Herzens an Unbequemlichkeit. Irgendwas worauf wir uns eben einstellen müssen. Toleranz ist bildungssprachlich zunächst definiert als „Duldsamkeit“.

Wenn die ARD für Toleranz wirbt (aktuelle Themenwoche Toleranz), dann darf nur jeder hoffen, dass er nicht auf der Liste der zu tolerierenden Arten steht. Denn dann ist ihm der Status des gnädigen „Geduldetseins“ öffentlich sicher und festzementiert. Oder möchten Sie, dass deutschlandweit verbreitet wird, dass man mit Menschen wie Ihnen tolerant umgehen sollte? Bei einer solchen Satzstellung sind wir vermutlich ganz froh, dass Andere im Fokus der Toleranz stehen und nicht wir selbst.

Nehmen wir an, die ARD meinte es gut. Dann zeugt die Kampagne von schlichter Inkompetenz.

Guter Kontakt zum Gegenüber funktioniert über wahrgenommene Vorzüge. Erste Kundenregel im Vertrieb: Sprich erst mit deinem Kunden, wenn du drei positive Merkmale an ihm finden kannst. Gelingt es dir nicht diese zu finden, suche weiter. Wenn du immer noch keine findest, gib den Kunden ab (an jemanden, dem dies gelingt).

Guter Kontakt funktioniert über Vorzüge. Diese gilt es zu präsentieren. So funktioniert Marketing. Auch bei Unternehmensthemen (Change, Diversity, Demografie) ist das ein erster Schritt: Sympathie für die neue Entwicklung zu erreichen durch die Darlegung der Vorzüge – nicht durch den Appell an Toleranz.

Und den Königsweg sehen wir schlicht in einer Kultur der Neugier und der Interessiertheit am Anderen.