…so die Überschrift im Wirtschaftsteil der FAZ vom 24. Dez. 2014.

Sicherlich ist die Überschrift provokativ und der Autor meint es gut. Er postuliert, der Großteil der Stressbelastungen entstehe nicht in der Arbeit,  sondern im privaten Umfeld. Wie der Autor dazu kommt, bleibt unerwähnt – eine Quelle wird nicht genannt. Dabei hat der Autor ganz gut geraten. Aus den mehr als 4000 Interviews, die wir bislang durchgeführt haben, entstammte der letztendlich Auslöser, der die berufliche Leistungsfähigkeit gefährdete, in knapper Mehrheit (52,4%) dem privaten Bereich. Auch die Belastung durch eine gewünschte Erreichbarkeit durch den Vorgesetzten sei nichts gegen die permanente Erreichbarkeit über social media so verlautbart im Artikel.

Also, fragt sich der Autor, warum solle das die Aufgabe der Unternehmen sein. Schließlich bräuchte sich jeder Einzelne im Privaten etwas zusammenreißen und für die Stresseindämmung sorgen. Ein gesetzliches Eingreifen hält der Autor für völlig falsch.

Dass gesetzliche Eingriffe bei diesem Thema nichts helfen, ist völlig richtig. In unseren Augen sind gesetzliche Regelungen zur Stressreduktion sogar kontraproduktiv. Denn es geht um die Eigenverantwortung der Mitarbeiter. Und nein, es ist auch nicht die Aufgabe eines jeden Unternehmens dafür zu sorgen, dass der Stress im Privaten abnimmt (so auch der Autor): Dies machen sich lediglich diejenigen Unternehmen zur Aufgabe, die begreifen, dass es egal ist, in welchen Bereichen die Stressoren liegen. Spürbar werden die Auswirkungen immer im Betrieb.

Einfach die Parole an die Mitarbeiter auszugeben, sie mögen sich in ihrer Freizeit zusammenreißen und nicht so stressen, hilft nicht. Es fehlt im Privaten nämlich häufig am Korrektiv. Die Kinder in den Familien hängen die ganze Zeit im Web. Die Erwachsenen haben den Kampf, den Internetkonsum der Kinder einzugrenzen, zumeist schon aufgegeben. Auch fehlt zu diesem Kampf die Zeit, muss man doch selbst ständig „On“ sein.

Insofern ist die Schlussfolgerung falsch, Abschalten zur Privatsache zu machen, denn ohne Unterstützung von Seiten des Unternehmens ist das Momentum, sich selbst an gute Vorsätze zu halten, viel zu gering. Ja – soweit ist es mittlerweile gekommen.